Einführung

"The entrance to the soul is the eye"

Mittwoch, 29. Dezember 2010

(2) Wie weit?

Was muss geschehen?

Wie weit muss man gehen um einen Menschen am Leben zweifeln zu lassen?

Nun ja, manchmal weit, sehr weit. Denn manche Menschen haben ein dickes Fell.
Alte Menschen haben viel Erfahrung und lassen sich nicht leicht unterkriegen.
Babys verstehen Drohungen oder Boshaften noch nicht.
Kinder weinen und haben es bald wieder vergessen.
Teenager haben nichts von diesen Leuten.
Keine Erfahrungen oder Alter.
Nur zu viele Hormone.

Emma ist ein Teenager. Von unten bis oben.
Dies erkennt man nicht nur an ihren vereinzelten Pickeln im Gesicht oder an den Augenringen wegen des langen Aufbleibens. Auch an ihrer vorlauten Haltung gegenüber Älteren, Erziehern und Eltern, auch an ihren Gefühlsausbrüchen, die an eine Berg und Tal Fahrt erinnern. Im einen Moment könnte sie nach den Sternen greifen und im nächsten fällt sie in ein bodenloses Loch. Leider fällt sie meistens. In einem Leben kann viel schiefgehen. Doch man kann alles meistern. Nur Leute, die lernen mit dem Pech, das wie ein Kaugummi an ihren Sohlen klebt, umzugehen. Die Meisten zerbrechen daran. Doch ich wage zu behaupten, dass Emma ein robustes Mädchen durch und durch, nicht nur einen Kaugummi an der Sohle hatte. Nein. Viel mehr Scherben auf der nackten Fußsohle. Wer schuld daran ist? Wahrscheinlich sie allein. Doch das ist Ansichtssache. Emma weiß es bestimmt. Und falls sie es doch vergisst, dann geht sie mit schwerfälligen Schritten auf den Schrank gegenüber ihrem Bett zu und zieht einen Schlüssel aus der Kette um ihren zarten Hals und steckt ihn in ein Schlüsselloch, das zu einer kleinen Schublade im inneren des Schrankes gehört. In der Schublade befindet sich ein pechschwarzes Kästchen mit einem schweren Schloss davor. Wo sie diesen Schlüssel aufbewahrt, dass weiß nicht mal ich. Aber was in dem Kästchen ist, das weiß ich als Einzige. Ihr Tagebuch.
Schon im jungen Alter hat sie angefangen reinzuschreiben. Und als bald kein Platz mehr war weigerte sie sich ein Neues zu kaufen. Doch sie wusste sich zu helfen: Sie löste vorsichtig den Einband ab und band es neu mit mehr Seiten ein und erneuerte den Einband. Dies machte sie ab da jedes Jahr, oder wann immer sie einen Wechsel brauchte. Sie hat es gehütet wie einen Schatz, doch das ist jetzt vorbei. Zwei Monate sind jetzt schon seit ihrem Verschwinden vergangen.

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